Unsere Schilddrüse benötigt Jod, um lebenswichtige Schilddrüsenhormone zu produzieren. Das benötigte Jod gibt es in der Natur. Unsere Schilddrüse nimmt über die Atemluft, über Nahrung und Getränke ständig Jod auf. Dieses natürliche Jod ist nicht radioaktiv.

Im Betrieb eines Kernkraftwerkes entsteht bei der Kernspaltung neben anderen radioaktiven und nichtradioaktiven Stoffen auch radioaktives Jod. Bei einem Unfall kann es zur Freisetzung von radioaktivem Jod kommen. Radioaktives Jod hat grundsätzlich die gleichen Eigenschaften wie natürliches Jod. Es wird daher wie natürliches Jod vom Körper aufgenommen und in der Schilddrüse eingelagert. Das ist aber von Nachteil: Die vom radioaktiven Jod ausgehende Strahlung kann die Wahrscheinlichkeit für Schilddrüsenkrebs erhöhen, besonders bei Kindern und Jugendlichen.

Werden jedoch rechtzeitig Tabletten mit einer hohen Konzentration nicht-radioaktiven Jods eingenommen, wird die Schilddrüse mit diesem "gesunden" Jod so gesättigt und kann kein radioaktives Jod mehr aufnehmen. Durch diese "Jodblockade" wird also die Einlagerung des radioaktiven Jods in der Schilddrüse verhindert. Wichtig ist, dass Jodtabletten zum richtigen Zeitpunkt eingenommen werden, damit sie optimal wirken.

Effektivität der Jodblockade - Tschernobyl/ durchgeführte Jodblockade in Polen

Der Reaktorunfall von Tschernobyl war der einzige Unfall in einem Kernkraftwerk, der eine Jodblockade zum Schutz der Bevölkerung erforderte. In Polen, dessen Bevölkerung damals vom Durchzug der radioaktiven Wolke besonders betroffen war, wurde beschlossen, nicht-radioaktives Jod - insbesondere an Kinder - zu verteilen. 10,5 Millionen Kinder und 7 Millionen Erwachsene wurden mit Jod behandelt. Die positive Wirkung der Jodblockade wurde durch Nachuntersuchungen bestätigt. Bei den behandelten Personen gab es keinen Anstieg der Schilddrüsenkrebshäufigkeit. In Weißrussland hingegen - wo keine Jodblockade durchgeführt wurde - ist nach der Tschernobyl-Katastrophe der Schilddrüsenkrebs bei Kindern, der sonst extrem selten vorkommt, leider hundertmal häufiger aufgetreten.

Wann der richtige Zeitpunkt ist, und wie und wo Sie die Jodtabletten erhalten und welche Hinweise für deren Einnahme zu beachten sind, lesen Sie auf den folgenden Seiten.