Wer die Jodtabletten bei einem Unfall in einem Kernkraftwerk einnehmen sollte, hängt vom Alter und Aufenthaltsort der betroffenen Personen ab. 

Aufenthaltsort 

Die Gebiete, in denen die Einnahme von Jodtabletten bei einem Unfall in einem Kernkraftwerk notwendig sein könnte, werden in Abhängigkeit vom Abstand zum Kernkraftwerk und von der Richtung, in die die radioaktive Wolke zieht, festgelegt.

Computergestützte Ausbreitungsrechnungen für schwere Unfälle in Kernkraftwerken zeigen, dass die Einnahme von Jodtabletten insbesondere für Kinder auch in einem Bereich von über 100 km Entfernung notwendig sein kann. Bei Forschungsreaktoren ist der Radius aufgrund des geringeren Freisetzungspotentials für radioaktives Jod deutlich geringer.

Details zur Verteilung von Jodtabletten erfahren Sie von Ihrer Katastrophenschutzbehörde.

Alter

Kinder und Jugendliche sind aufgrund der Entwicklung und Empfindlichkeit der Schilddrüse die Hauptzielgruppe bei der Einnahme von Jodtabletten. Ihr Körper befindet sich in seiner Wachstumsphase und benötigt für die Steuerung von Lebensprozessen (einschließlich des Wachsens) wesentlich mehr Schilddrüsenhormone als ein Erwachsener. Die Schilddrüse von Kindern ist daher wesentlich aktiver, und es wird im Vergleich zum Erwachsenen wesentlich mehr Jod in die Schilddrüse aufgenommen. Hinzu kommt, dass die Schilddrüse von Kindern deutlich kleiner ist als von Erwachsenen. Kommt es also bei Kindern zur Aufnahme von radioaktivem Jod, so führt dies im Vergleich zum Erwachsenen zu einer wesentlich höheren Belastung des kindlichen Schilddrüsengewebes.

Da etwa ab der 12. Schwangerschaftswoche auch das ungeborene Kind Jod in die Schilddrüse aufnimmt, schützen Schwangere durch die Einnahme von Jodtabletten ihr Kind vor den möglichen Folgen durch radioaktives Jod. Jod wird während der Stillzeit in individuell unterschiedlicher Menge in die Muttermilch abgegeben. Da hierdurch eine ausreichende Jodblockade beim gestillten Kind jedoch nicht sicher gewährleistet ist, sollen auch Neugeborene bzw. Säuglinge Jodtabletten erhalten.

Die Altersgruppe der 18- bis 45-Jährigen ist weniger anfällig als Kinder und Jugendliche. Daher kann es sein, dass Kindern die Einnahme von Jodtabletten empfohlen wird, Erwachsenen jedoch nicht. Richten Sie sich am besten nach den Empfehlungen der Behörden.

Über 45-Jährige sollten gemäß den Empfehlungen der Strahlenschutzkommission von einer Einnahme der Jodtabletten absehen. Mit steigendem Alter treten häufiger Stoffwechselstörungen der Schilddrüse auf. Eine solche sogenannte funktionelle Autonomie erhöht die Gefahr von Nebenwirkungen einer Jodblockade. Zudem nimmt mit steigendem Alter die Wahrscheinlichkeit stark ab, an durch ionisierende Strahlung verursachtem Schilddrüsenkrebs zu erkranken. 

Zusätzlich wird von den Behörden ein spezielles Kontingent an Jodtabletten für das Einsatzpersonal der Hilfeleistungsorganisationen bereitgehalten.